Epilog.
Am symbolischen Datum des 11. November 1950 eröffnen die Franzosen mit militärischen
Ehren den restaurierten Ort Clairière de l’Armistice in Compiègne und das
erneuerte Museum, das hauptsächlich dem ersten Weltkrieg gewidmet ist. Des
weiteren sind die 1940 gestohlenen Bildelemente wieder aus Berlin zurückgeholt
und an dem erneuerten Standort zurückgestellt.
Höhepunkt ist eine restaurierte Halle mit dem darin stehenden "Waffenstillstands-Waggon"
mit der Nummer 2419 D. (Abb.1, 2)
Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Franzosen 1950 bei den Erklärungen
viel Aufmerksamkeit an die Geschichte des Originalwaggons geschenkt haben.
Sie haben sicherlich keinen Nachdruck auf die Tatsache gelegt, dass es sich
um eine Replik des Waggon 2491 D handelt.
Der ausgestellte Waggon stammt
aus einer anderen Serie mit deren Bau vermutlich ebenfalls um 1912/ 1913
in Saint-Denis begonnen wurde.
Es handelt sich hier um den Waggon 2493 D, der nach dem zweiten Weltkrieg
in Rumänien gefunden wurde und für diesen Zweck importiert, restauriert
und an den Waggon 2419 D des ersten Weltkrieges angepasst wurde.
Der in allen Ehren wiederhergestellte Ort ruft nach zwei deutschen Niederlagen
dazu auf, dass es keine Kriege zwischen den beiden Ländern mehr geben darf.
(Abb.3,4)
1960 wird das Museum erweitert und erhält der zweite Weltkrieg mehr Aufmerksamkeit.
Worte wie Sieg und Niederlage werden sorgfältig vermieden. Der Akzent liegt
auf "Nie wieder Krieg." Die Texte in den deutschen und den französischen
Broschüren über den Waggon 2419 D unterscheiden sich noch gelegentlich voneinander,
aber für einen Griesgram der darauf achtet...
1991 untersuchen Schüler aus der Region Ohrdruf die Geschichten der Lokalbevölkerung
über den Wagon-Lit. Sie sprechen mit Augenzeugen von 1944-45, und ihre Aufzeichnungen
erhalten auf der Schule und in der Zeitung grosse Aufmerksamkeit mit wichtigen
Folgen für Deutschland und Frankreich. Der Deutsche Jonastalverein
(Ohrdruf/
Crawinkel) fasst das Ganze auf ihrer Webseite zusammen; sie werden in Compiègne
empfangen.
Im selben Jahr wird das Museum in Compiègne um eine Vitrine mit Zeitungsausschnitten,
Karten und Fotos des Waggons und den Ereignissen um Crawinkel und
Ohrdruf erweitert.
1993 wird das Museum neu eingerichtet; nun befindet sich dort ein Raum,
wo beide Waffenstillstandsabkommen von 1918 und von 1940 ins Bild gebracht
werden; auch gibt es eine Vitrine mit Information über die Orte im Thüringer
Wald und eine Vitrine mit den darin zurückgefundenen Handgriffen des Waggon
2491 D. (Abb.7))
1994 wächst die Aufmerksamkeit für die regionale Verbundenheit zwischen
Thüringen und Picardien. Dies äussert sich unter Anderem in der ausgesprochen
symbolischen Pflanzung eines Baumes in Compiègne einer Eiche, die aus aus
dem beladenen Wald von Crawinkel stammt, wo der Waggon verbrannt ist.
(Abb.5,6)
Ashes to ashes……
2008 publiziert der Forscher Jean-Yves Bonnard eine Studie über Rethondes
1918-1940. Hierin wird deutlich beschrieben, dass im Museum eine Replik
des Waggons 2491 D steht. Er beschreibt auch,dass sich die deutschen Waggons
noch im Originalzustand befinden und noch kaum Aufmerksamkeit erhalten haben.
Wir stimmen Jean-Yves Bonnard zu, dass diese beiden deutschen Original-
Waggons die jetzt im Depot des Automuseums von Compiègne und im
"Hameau
du vin" in Romanèche-Torins (Saône et Loire) ihre Zeit verbringen ihren
eigenen Platz in der Clairière erhalten sollten.






